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Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen

24.März 2015

Interview mit dem BDN Hauptvorsitzenden

Kurzinterview mit dem BDN Hauptvorsitzenden, Hinrich Jürgensen, anlässlich des 60. Jahrestages der Bonn-Kopenhagener Erklärungen am 29. März.

 


Hinrich Jürgensen, welche Bedeutung hatten die Erklärungen 1955?


Mit den Bonn-Kopenhagener Erklärungen bekamen die Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland die formelle Anerkennung und Gleichberechtigung. Beispielsweise erhielt die deutsche Minderheit in Dänemark das Examensrecht und wir konnten so im August 1959 das deutsche Gymnasium in Apenrade eröffnen.


Wichtig war und ist die häufig zitierte Formel: „Das Bekenntnis zum deutschen/dänischen Volkstum und zur deutschen/dänischen Kultur ist frei und darf von Amts wegen nicht bestritten oder nachgeprüft werden.“ Diese subjektive Definition des Nationalitätenprinzips wird oft umschrieben als „Minderheit ist wer will“ und gehört zu den zentralen Merkmalen des deutsch-dänischen Minderheitenmodells.


 


Haben die Erklärungen heute immer noch eine Bedeutung?


Die Bedeutung der Erklärungen liegt heute nicht so sehr in ihrem formellen Inhalt, sondern im Willen, einvernehmlich eine Lösung entstehender Probleme zu finden. Dieser oft beschworene „Geist der Erklärungen“ war beispielsweise entscheidend, als mit der dänischen Kommunal- und Verwaltungsreform von 2007 die kommunale, politische Vertretung der deutschen Minderheit in Gefahr kam.


Mit Hinweis auf die Erklärungen gelang es, eine Reihe von Ausnahmeregelungen zu schaffen, die schließlich auch dazu beigetragen haben, dass die Partei der deutschen Minderheit, die Schleswigsche Partei, heute in Nordschleswig auch als regionale Kraft anerkannt ist.


 


Sollte das Jubiläum für eine Neuauflage der Erklärungen genutzt werden?


Vor 10 Jahren – beim 50. Jubiläum der Erklärungen – wurde intensiv über eine Neuauflage nachgedacht. Der Gedanke wurde schließlich verworfen, nicht zu Letzt, weil die Erklärungen in ihren recht allgemein gehaltenen Formulierungen weiterhin einen guten Rahmen darstellen.


Entscheidend ist, dass die Minderheiten auf allen Ebenen und in allen Bereichen auf Augenhöhe einbezogen werden, und dass anerkannt wird, dass ihre Aktivitäten zum kulturellen und sprachlichen Reichtum beitragen. Eine Version 2.0 der Erklärungen halte ich somit nicht für nötig.