Willkommen beim Bund Deutscher Nordschleswiger

Antwort an Jørn Arpe Munksgaard

30.Januar 2018

Jørn Arpe Munksgaard (JAM) zweifelt in einem langen Leserbrief im Nordschleswiger am 30. Januar 2018 an meiner Glaubwürdigkeit. Er bezieht dies auf die Debatte bei der BDN-Neujahrstagung im Anschluss an den – und hier stimme ich JAM zu – hervorragenden Vortrag von Henrik Skov Kristensen über die Vergangenheitsbewältigung – oder Mangel derselben – in der deutschen Minderheit. Konkret geht es um die Entfernung von Namen auf den Bronzeplatten der Gedenkstätte auf dem Knivsberg.

Jørn Arpe Munksgaard (JAM) zweifelt in einem langen Leserbrief im Nordschleswiger am 30. Januar 2018 an meiner Glaubwürdigkeit. Er bezieht dies auf die Debatte bei der BDN-Neujahrstagung im Anschluss an den – und hier stimme ich JAM zu – hervorragenden Vortrag von Henrik Skov Kristensen über die Vergangenheitsbewältigung – oder Mangel derselben – in der deutschen Minderheit. Konkret geht es um die Entfernung von Namen auf den Bronzeplatten der Gedenkstätte auf dem Knivsberg.
Ich möchte hier wiederholen, dass der BDN Hauptvorstand einstimmig folgender Vorgehensweise zugestimmt hat: „Ein Name wird entfernt, wenn Beweise vorliegen, die eine Person direkt und persönlich belasten, Kriegsverbrechen begangen zu haben.“ Diese Beweise sind typisch rechtsgültige Verurteilungen.
Die Person, von der JAM spricht, und deren Namen er entfernen möchte, ist nie verurteilt worden. Ein Verfahren gegen ihn wurde eingestellt, da es zum damaligen Zeitpunkt (1954) seit 10 Jahren kein Lebenszeichen von ihm gab. Außerdem wird vom Polizeimeister in Gravenstein festgestellt: „at det på det foreliggende grundlag må skønnes tvivlsomt, at en straffesag vil blive gennemført mod ham, hvis han nu eller senere vender tilbage til landet.“
Es besteht kein Zweifel daran, dass auf alle Fälle die Rechtspraxis sich in Deutschland seit damals wesentlich geändert hat, und dass heute die bloße Anwesenheit in einem Konzentrationslager zur Verurteilung ausreicht. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass es sich dabei immer um Rechtsverfahren gegen individuelle Personen handelt, die dann verurteilt (oder freigesprochen) werden. Es ist aber in dem vorliegenden Fall zu keiner Verurteilung gekommen. Falls JAM andere Informationen hat, möchte ich ihn auffordern, diese vorzulegen.
Stünden wir heute davor eine Gedenkstätte einzurichten, ist es höchstwahrscheinlich, dass wir dies tun würden ohne die Namen der Gefallenen. Das ist aber nicht gleichbedeutend damit, dass wir die Namen einfach entfernen sollten. Dass würde meiner Meinung nach einer Verurteilung aller aufgeführten Personen bedeuten – und können wir uns das heute einfach erlauben? Ich denke nein, bin aber gerne bereit, diese Diskussion zu führen.
Hinzugefügt sei noch, dass wir 2012 mit der der Umbenennung des „Ehrenhains“ in „Gedenkstätte“ einen wichtigen Schritt gegangen sind. Ich betonte damals in meiner Rede unter anderem: „… es war kein ehrenvoller Krieg, in den die überwiegend jungen Nordschleswiger zogen. Ihre Beweggründe und ihr Verhalten in diesem Krieg mögen noch so idealistisch und edel gewesen sein, es ist aber aus heutiger Sicht keine Ehre gewesen, in diesen Krieg zu ziehen – auch nicht, wenn man dafür mit dem Leben bezahlte. Der zukünftige Name Gedenkstätte drückt dies aus.“
Hinrich Jürgensen, BDN-Hauptvorsitzender